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Einzelaktien – direkt in Unternehmen investieren

Von Bewertungskennzahlen über Anlagestrategien bis zum optimalen Depot: Alles, was Aktieninvestoren wissen müssen.

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Dieser Artikel enthält Empfehlungslinks.

Ø Aktien-Rendite 8–10 % p.a.
Ideal. Positionen 15–20 Aktien
Min. Zeithorizont 5+ Jahre
Max. Positionsgröße 5–7 %

Warum in Einzelaktien investieren?

Einzelaktien bieten die Chance, den Markt zu schlagen – aber auch das Risiko, ihm hinterherzuhinken. Während ein ETF den Marktdurchschnitt liefert (ca. 8 % p.a.), können einzelne Aktien wie Apple (+600 % in 10 Jahren), NVIDIA (+15.000 % in 10 Jahren) oder Amazon (+1.500 % in 10 Jahren) die Rendite massiv steigern.

Aber Ehrlichkeit ist wichtig: Die meisten Privatanleger schneiden mit Einzelaktien schlechter ab als mit einem ETF. Studien zeigen, dass nur 10–20 % der aktiven Stockpicker langfristig den MSCI World schlagen. Die Gründe: emotionale Entscheidungen, mangelnde Diversifikation, zu häufiges Handeln und Überschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Wer trotzdem Einzelaktien kaufen möchte – und das kann durchaus Spaß machen und lehrreich sein – sollte die Grundregel befolgen: Kern-Satelliten-Strategie. 80 % des Kapitals in einen breit gestreuten Welt-ETF (Kern), 20 % in ausgewählte Einzelaktien (Satelliten). So haben Sie die Stabilität des Marktes und können gleichzeitig gezielt in Unternehmen investieren, von denen Sie überzeugt sind.

⚠️
Ehrliche Statistik: Eine Studie von J.P. Morgan (2014) zeigt: 40 % aller Aktien, die je im Russell 3000 Index waren, haben über 70 % ihres Wertes verloren – und sich nie wieder erholt. Nur eine kleine Minderheit von Aktien ist für den Großteil der Marktrendite verantwortlich. Deshalb ist Diversifikation bei Einzelaktien überlebenswichtig.

Die wichtigsten Bewertungskennzahlen

So beurteilen Sie, ob eine Aktie günstig oder teuer ist.

Kennzahl Formel Interpretation Beispiel
KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) Aktienkurs / Gewinn je Aktie Unter 15: günstig, 15–25: fair, über 25: teuer (branchenabhängig) Apple KGV 28, Allianz KGV 11
KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) Aktienkurs / Buchwert je Aktie Unter 1: Substanzwert höher als Marktpreis Banken oft KBV 0,5–0,8
Dividendenrendite Dividende je Aktie / Aktienkurs × 100 2–4 %: solide, über 6 %: Vorsicht (Kürzung?) BASF ~7 %, Microsoft ~0,8 %
KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) Marktkapitalisierung / Jahresumsatz Unter 1: günstig, über 10: teuer (v.a. Growth-Aktien) Nvidia KUV ~35, VW KUV ~0,2
PEG-Ratio KGV / erwartetes Gewinnwachstum (%) Unter 1: unterbewertet, über 2: teuer für das Wachstum Wachstumsaktie: KGV 30, Wachstum 25 % → PEG 1,2
Eigenkapitalrendite (ROE) Jahresüberschuss / Eigenkapital × 100 Über 15 %: sehr gut, über 25 %: exzellent Apple ROE ~160 %, Deutsche Bank ~6 %

Anlagestrategien für Aktien

Welcher Ansatz passt zu Ihnen?

Strategie Ansatz Zeithorizont Risiko Am besten für
Value Investing Unterbewertete Aktien kaufen (niedriges KGV, KBV) 5+ Jahre Mittel Geduldige Anleger mit Analysefähigkeit
Growth Investing Wachstumsstarke Unternehmen (hohes KGV akzeptiert) 3–10 Jahre Hoch Risikofreudige Anleger, die Trends erkennen
Dividendenstrategie Aktien mit stabiler, wachsender Dividende 10+ Jahre Niedrig-mittel Anleger, die passives Einkommen wollen
Quality Investing Hohe Margen, starke Marke, Burggraben (Moat) 5+ Jahre Mittel Langfristanleger, die auf Qualität setzen
Momentum Aktien kaufen, die bereits steigen 6–18 Monate Hoch Aktive Trader mit Disziplin

Sektoren im Überblick

Welche Branchen welche Eigenschaften mitbringen.

Sektor Beispiele Ø KGV Wachstum Dividende Risiko
Technologie Apple, Microsoft, NVIDIA ~28 Hoch Niedrig (0–1 %) Mittel-hoch
Gesundheit Johnson & Johnson, Novo Nordisk ~22 Mittel-hoch Mittel (1–3 %) Mittel
Finanzen Allianz, JPMorgan, Visa ~12 Mittel Mittel-hoch (2–5 %) Mittel
Konsumgüter (defensiv) Procter & Gamble, Nestlé ~24 Niedrig Stabil (2–3 %) Niedrig
Energie Shell, TotalEnergies, Exxon ~10 Zyklisch Hoch (3–6 %) Mittel-hoch
Versorger RWE, Enel, NextEra Energy ~16 Niedrig-mittel Hoch (3–5 %) Niedrig-mittel

Optimale Positionsgröße

Wie viele Aktien braucht ein Depot?

Positionsgröße Risiko Empfehlung
1 Aktie (100 %) Maximal – Totalverlust möglich Niemals!
5 Aktien (20 % je) Sehr hoch – ein Ausfall = 20 % weg Nur für Experten
10 Aktien (10 % je) Hoch – bessere Streuung, aber noch konzentriert Minimum für erfahrene Stockpicker
15–20 Aktien (5–7 % je) Mittel – gute Diversifikation innerhalb Aktien Optimaler Sweet Spot
30+ Aktien (3 % je) Niedrig – nähert sich ETF-Streuung Hoher Aufwand, dann lieber ETF

In 5 Schritten zum Aktienportfolio

01

Grundlagen lernen

Bevor Sie Ihre erste Aktie kaufen: Verstehen Sie Kennzahlen wie KGV, Dividendenrendite und ROE. Lesen Sie mindestens ein Grundlagen-Buch (z. B. „Der intelligente Investor" von Benjamin Graham oder „One Up On Wall Street" von Peter Lynch). Verstehen Sie den Unterschied zwischen Kurs und Wert – der Kurs ist, was Sie zahlen, der Wert ist, was Sie bekommen.

02

Strategie festlegen

Entscheiden Sie sich für eine Strategie BEVOR Sie kaufen. Value, Growth, Dividende oder Quality – jede Strategie hat andere Auswahlkriterien. Mischen Sie nicht wild durcheinander. Definieren Sie: Wie viele Aktien? Welche Sektoren? Welcher Zeithorizont? Wann kaufe ich nach, wann verkaufe ich? Schreiben Sie Ihre Regeln auf – und halten Sie sich daran, auch wenn der Markt verrückt spielt.

03

Unternehmen analysieren

Lesen Sie Geschäftsberichte (investor relations auf der Firmenwebsite). Prüfen Sie: Wächst der Umsatz? Steigt der Gewinn? Ist die Verschuldung tragbar? Hat das Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil (Burggraben)? Vergleichen Sie die Kennzahlen mit Wettbewerbern der gleichen Branche. Tipp: Kaufen Sie nur Unternehmen, deren Geschäftsmodell Sie in einem Satz erklären können.

04

Position aufbauen

Kaufen Sie nicht alles auf einmal. Bauen Sie Positionen schrittweise auf: z. B. 1/3 sofort, 1/3 nach einem Monat, 1/3 nach einer Korrektur. Maximale Positionsgröße: 5–7 % des Gesamtdepots. Setzen Sie keine Stop-Loss-Orders bei langfristigen Investments – die werfen Sie bei temporären Schwankungen raus. Stattdessen: Kursziele und Nachkaufkurse vorher definieren.

05

Portfolio überwachen

Prüfen Sie Ihre Aktien quartalsweise anhand der Quartalszahlen. Verkaufen, wenn: Die Investment-These nicht mehr stimmt (nicht wegen des Kurses!). Nachkaufen, wenn: Die fundamentale Bewertung stimmt und der Kurs gefallen ist. Nicht handeln, wenn: Der Markt „unruhig" ist, aber an den Unternehmen nichts verändert hat. Die besten Aktienanleger handeln selten – sie halten.

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Betrag lohnen sich Einzelaktien?

Mit Neobrokern können Sie ab 1 € in Bruchstücke (Fractional Shares) investieren. Sinnvoll wird es aber ab einem Gesamtdepot von ca. 5.000–10.000 € für Einzelaktien, weil Sie dann genügend Positionen aufbauen können (15–20 Aktien à 250–500 €). Unter 5.000 € ist ein ETF-Portfolio die bessere Wahl.

Soll ich deutsche oder US-Aktien kaufen?

Die USA haben den größten, liquidesten und transparentesten Aktienmarkt der Welt. Die meisten weltmarktführenden Unternehmen sind US-Firmen. Nachteil: Quellensteuer (15 % auf Dividenden, aber mit Deutschland verrechenbar). Deutsche Aktien haben keinen Quellensteuernachteil und oft höhere Dividendenrenditen. Beides mischen ist ideal.

Wann sollte ich eine Aktie verkaufen?

Verkaufen, wenn: 1) Die Investment-These sich geändert hat (Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr). 2) Die Bewertung extrem überzogen ist (KGV doppelt so hoch wie Branchendurchschnitt ohne Grund). 3) Sie das Geld für andere, bessere Investments brauchen. NICHT verkaufen, weil: Der Kurs kurzfristig gefallen ist, ein Analyst negativ redet, oder Sie „Gewinne sichern" wollen.

Wie finde ich unterbewertete Aktien?

Screener-Tools wie finviz.com, tradingview.com oder aktien.guide ermöglichen Filter nach KGV, Dividendenrendite, ROE etc. Suchen Sie nach: KGV unter Branchendurchschnitt, steigendem Gewinn, moderater Verschuldung und einem verständlichen Geschäftsmodell. Aber: „Unterbewertet" heißt nicht immer „guter Kauf" – es kann gute Gründe für die niedrige Bewertung geben.

Was ist ein Burggraben (Moat)?

Ein Burggraben ist ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil, der das Unternehmen vor Konkurrenz schützt. Beispiele: Starke Marke (Coca-Cola), Netzwerkeffekte (Visa, Meta), Kostenvorteile (Walmart), Wechselkosten (Microsoft Office, SAP), Patente (Novo Nordisk). Unternehmen mit breitem Burggraben können dauerhaft hohe Margen erzielen – das macht sie zu den besten Langzeitinvestments.

ETF oder Einzelaktien – was ist besser?

Für 90 % aller Anleger ist ein ETF die bessere Wahl: weniger Aufwand, breite Diversifikation, niedrigere Kosten, keine emotionalen Fehlentscheidungen. Einzelaktien lohnen sich für die 10 %, die: Spaß an Unternehmensanalyse haben, diszipliniert einer Strategie folgen, einen langen Zeithorizont haben UND bereit sind, schlechter abzuschneiden als der Markt. Optimal: 80 % ETF + 20 % Einzelaktien.

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