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Aktien-Grundlagen

Alles, was Sie für den Einstieg an der Börse wissen müssen – von der ersten Aktie bis zum langfristigen Vermögensaufbau. Verständlich, fundiert und ohne Fachchinesisch.

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Ø Rendite Aktien p.a. 7–10 %
Erste Börse der Welt 1409 (Brügge)
Aktionärsquote DE ~17 %
Min. Anlagehorizont 10+ Jahre

Was sind Aktien?

Eine Aktie ist ein Wertpapier, das einen Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft (AG) verbrieft. Wenn Sie eine Aktie kaufen, werden Sie Miteigentümer dieses Unternehmens – mit allen Rechten und Risiken, die das mit sich bringt. Sie profitieren von steigenden Kursen und Dividendenzahlungen, tragen aber auch das Risiko, dass der Kurs fällt.

Unternehmen geben Aktien aus, um Kapital für Wachstum, Forschung oder Übernahmen aufzunehmen. Die erstmalige Ausgabe von Aktien an der Börse nennt man IPO (Initial Public Offering) oder Börsengang. Danach werden die Aktien an der Börse zwischen Anlegern gehandelt – der Kurs ergibt sich aus Angebot und Nachfrage.

💡
Einfach erklärt: Stellen Sie sich ein Unternehmen wie eine Pizza vor. Die gesamte Pizza ist das Unternehmen, und jede Aktie ist ein Stück davon. Wenn Sie ein Stück kaufen, gehört Ihnen ein Teil der Pizza – und wenn die Pizza größer wird (das Unternehmen wächst), wird auch Ihr Stück wertvoller.

Welche Rechte haben Aktionäre?

Als Aktionär stehen Ihnen verschiedene Rechte zu, die im Aktiengesetz geregelt sind:

  • Dividendenrecht: Sie erhalten einen Anteil am Gewinn des Unternehmens, wenn die Hauptversammlung eine Dividende beschließt. Nicht alle Unternehmen zahlen Dividenden – viele Growth-Unternehmen reinvestieren ihre Gewinne lieber.
  • Stimmrecht: Bei Stammaktien dürfen Sie auf der Hauptversammlung über wichtige Entscheidungen abstimmen – z. B. über den Vorstand, Dividendenhöhe oder Fusionen.
  • Bezugsrecht: Wenn das Unternehmen neue Aktien ausgibt (Kapitalerhöhung), haben bestehende Aktionäre das Recht, zuerst neue Aktien zu kaufen, um ihre Anteile nicht zu verwässern.
  • Informationsrecht: Das Unternehmen muss Sie über Geschäftsentwicklung, Jahresabschlüsse und wesentliche Ereignisse informieren.
  • Liquidationserlös: Wird das Unternehmen aufgelöst, erhalten Sie einen Anteil am Restvermögen – allerdings erst nach Befriedigung aller Gläubiger.

Wie entsteht der Aktienkurs?

Der Kurs einer Aktie wird an der Börse durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Wenn mehr Menschen eine Aktie kaufen wollen als verkaufen, steigt der Kurs. Wenn mehr verkaufen wollen als kaufen, fällt er. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle:

Fundamentale Faktoren: Umsatz, Gewinn, Zukunftsaussichten des Unternehmens, Branchenentwicklung, Managementqualität und Wettbewerbsposition. Diese bestimmen den „inneren Wert" einer Aktie.

Psychologische Faktoren: Anlegerverhalten, Markteuphorie, Panikverkäufe, Medienberichte und Gerüchte. Kurzfristig können diese Faktoren den Kurs stärker beeinflussen als die Fundamentaldaten. Warren Buffett fasst es so zusammen: „Kurzfristig ist die Börse eine Wahlmaschine, langfristig eine Waage."

Makroökonomische Faktoren: Zinsentscheidungen der Zentralbanken, Inflation, Wirtschaftswachstum, geopolitische Ereignisse und Währungsentwicklungen wirken sich auf den gesamten Markt aus.

⚠️
Wichtig zu verstehen: Der Aktienkurs sagt nicht, ob ein Unternehmen „gut" oder „schlecht" ist. Eine Aktie, die 500 € kostet, ist nicht automatisch „teurer" als eine für 20 €. Entscheidend ist die Bewertung im Verhältnis zu Gewinn, Umsatz und Wachstum – dafür gibt es Kennzahlen wie das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis).

Welche Aktienarten gibt es?

Von Blue Chips bis Small Caps – die wichtigsten Aktientypen im Überblick.

Aktienart Merkmal / Recht Risikoprofil Beispiele
Stammaktien Stimmrecht auf der HV Mittel SAP, BASF
Vorzugsaktien Höhere Dividende, kein Stimmrecht Mittel Volkswagen Vz.
Inhaberaktien Übertragung durch Besitzwechsel Mittel Meiste dt. Aktien
Namensaktien Im Aktienregister eingetragen Mittel Deutsche Telekom
Blue Chips Etablierte Großunternehmen Niedrig–Mittel Apple, Siemens
Small Caps Kleine, wachstumsstarke Firmen Hoch Naga Group, Varta
Growth-Aktien Hohe Wachstumserwartung Hoch Tesla, NVIDIA
Value-Aktien Unterbewertet, stabile Geschäftsmodelle Niedrig–Mittel Coca-Cola, P&G

Wie funktioniert die Börse?

Die Börse ist ein organisierter Marktplatz, auf dem Wertpapiere – vor allem Aktien und Anleihen – gehandelt werden. Früher schrien Händler ihre Orders durch den Saal, heute läuft fast der gesamte Handel elektronisch. In Deutschland ist die wichtigste Handelsplattform Xetra, betrieben von der Deutschen Börse in Frankfurt.

Der Handel funktioniert über ein sogenanntes Orderbuch: Kaufaufträge (Bid) und Verkaufsaufträge (Ask) werden gegenübergestellt. Wenn ein Kaufpreis und ein Verkaufspreis übereinstimmen, kommt ein Handel zustande. Die Differenz zwischen dem besten Kauf- und Verkaufsangebot heißt Spread – je enger der Spread, desto liquider ist die Aktie.

Die Handelszeiten der Frankfurter Börse (Xetra) sind werktags von 9:00 bis 17:30 Uhr. Die New York Stock Exchange (NYSE) handelt von 15:30 bis 22:00 Uhr deutscher Zeit. Viele Broker bieten zudem den vorbörslichen und nachbörslichen Handel an.

Die wichtigsten Ordertypen

Wenn Sie eine Aktie kaufen oder verkaufen möchten, platzieren Sie eine „Order" bei Ihrem Broker. Die beiden grundlegenden Ordertypen sind:

Market Order: Ihr Auftrag wird sofort zum besten verfügbaren Kurs ausgeführt. Vorteil: schnelle Ausführung. Nachteil: Bei illiquiden Aktien kann der tatsächliche Kurs vom erwarteten abweichen.

Limit Order: Sie setzen einen Höchstpreis (beim Kauf) oder Mindestpreis (beim Verkauf). Die Order wird nur ausgeführt, wenn der Kurs Ihr Limit erreicht. Vorteil: Preiskontrolle. Nachteil: Möglicherweise wird die Order gar nicht ausgeführt.

Fortgeschrittene Ordertypen sind Stop-Loss (automatischer Verkauf bei Kursverfall), Take-Profit (automatischer Verkauf bei Kursanstieg) und Trailing-Stop (dynamischer Stop-Loss, der mit dem Kurs mitwandert).

Die wichtigsten Börsenplätze der Welt

Wo die größten Summen gehandelt werden.

Börse Land Marktkapitalisierung Besonderheit
NYSE (New York) 🇺🇸 USA ~28 Bio. $ Größte Börse der Welt
Nasdaq 🇺🇸 USA ~24 Bio. $ Tech-Schwerpunkt, vollelektronisch
Frankfurter Börse 🇩🇪 Deutschland ~2,2 Bio. $ Größte Börse Europas (Xetra)
London Stock Exchange 🇬🇧 UK ~3,4 Bio. $ Älteste Börse (1801)
Tokyo Stock Exchange 🇯🇵 Japan ~6,5 Bio. $ Größte Börse Asiens
Shanghai Stock Exchange 🇨🇳 China ~7,3 Bio. $ Stark reguliert, A- und B-Shares

Ihre erste Aktie kaufen – Schritt für Schritt

01

Depot eröffnen

Wählen Sie einen Online-Broker (z. B. Trade Republic, Scalable Capital, ING oder comdirect). Die Depoteröffnung ist kostenlos und dauert meist 10–15 Minuten. Sie benötigen einen Personalausweis und Ihre Steuer-ID.

02

Geld einzahlen

Überweisen Sie Geld auf Ihr Verrechnungskonto. Bei manchen Brokern können Sie auch per Lastschrift einzahlen. Starten Sie mit einem Betrag, dessen Totalverlust Sie verkraften könnten – Börse ist kein Sparbuch.

03

Aktie oder ETF auswählen

Recherchieren Sie Ihre Wunschaktie oder wählen Sie einen breit gestreuten ETF (z. B. MSCI World). Achten Sie auf die ISIN-Nummer – das ist die eindeutige Kennung jedes Wertpapiers. Für Einsteiger empfehlen wir ETFs.

04

Order platzieren

Geben Sie eine Kauforder auf: Stückzahl oder Betrag festlegen, Ordertyp wählen (Limit oder Market), und bestätigen. Eine Market-Order kauft sofort zum aktuellen Kurs, eine Limit-Order erst, wenn der Kurs Ihr Wunschniveau erreicht.

05

Langfristig halten

Nach dem Kauf heißt es: Geduld haben. Die größten Gewinne erzielt man über Jahre, nicht über Tage. Ignorieren Sie kurzfristige Kursschwankungen und bleiben Sie Ihrer Strategie treu. Buy and Hold ist für die meisten Anleger die beste Strategie.

Wichtige Kennzahlen für Aktienanalyse

Um Aktien zu bewerten, nutzen Anleger verschiedene Kennzahlen. Die wichtigsten im Überblick:

Kennzahl Formel Was sie aussagt Guter Wert
KGV Kurs / Gewinn je Aktie Wie viele Jahre braucht der Gewinn, um den Kurs „abzubezahlen" 10–20
KBV Kurs / Buchwert je Aktie Ob die Aktie über oder unter ihrem Substanzwert handelt < 1,5
KUV Marktkapitalisierung / Umsatz Besonders nützlich bei Unternehmen ohne Gewinn (Growth) < 2
Dividendenrendite Dividende / Kurs × 100 Wie viel Prozent Rendite die Dividende bringt 2–5 %
Eigenkapitalquote Eigenkapital / Bilanzsumme × 100 Wie solide das Unternehmen finanziert ist > 30 %
ROE Gewinn / Eigenkapital × 100 Wie effizient das Unternehmen sein Kapital einsetzt > 15 %
📊
Praxis-Tipp: Keine einzelne Kennzahl reicht aus, um eine Aktie zu bewerten. Vergleichen Sie immer mehrere Kennzahlen und stellen Sie die Werte in Relation zur Branche und den Wettbewerbern. Ein KGV von 30 kann bei einem schnell wachsenden Tech-Unternehmen günstig sein, bei einem Versorger aber überteuert.

Steuern auf Aktiengewinne in Deutschland

In Deutschland unterliegen Kapitalerträge der Abgeltungssteuer von pauschal 25 % plus Solidaritätszuschlag (5,5 % darauf) und ggf. Kirchensteuer. Damit beträgt die effektive Steuerbelastung je nach Kirchenzugehörigkeit zwischen 26,375 % und 27,995 %.

Die Steuer fällt auf Kursgewinne (beim Verkauf) und Dividenden an. Deutsche Broker führen die Steuer automatisch ab – Sie müssen sich in der Regel um nichts kümmern. Wichtig: Es zählt das FIFO-Prinzip (First In, First Out): Wenn Sie dieselbe Aktie zu verschiedenen Zeitpunkten gekauft haben, werden bei einem Verkauf zuerst die ältesten Stücke veräußert.

💰
Sparerpauschbetrag nutzen! Jeder Person steht ein Freibetrag von 1.000 € pro Jahr zu (2.000 € bei Ehepaaren). Kapitalerträge bis zu diesem Betrag sind steuerfrei. Richten Sie bei Ihrem Broker unbedingt einen Freistellungsauftrag ein, damit die Steuer nicht unnötig abgeführt wird. Falls Sie Konten bei mehreren Banken haben, verteilen Sie den Freibetrag entsprechend.

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Einsteiger-Fragen.

Ab wie viel Geld kann man Aktien kaufen?

Theoretisch reicht der Preis einer einzelnen Aktie – bei vielen Brokern können Sie auch Bruchstücke (Fractional Shares) ab 1 € kaufen. Für einen ETF-Sparplan starten die meisten Anbieter ab 25 € monatlich. Empfohlen wird für Einzelaktien ein Mindestbetrag von 500–1.000 €, damit die Ordergebühren nicht überproportional ins Gewicht fallen.

Kann man mit Aktien Schulden machen?

Nein – nicht bei normalen Aktien oder ETFs. Im schlimmsten Fall verlieren Sie Ihren gesamten Einsatz (Totalverlust), aber Sie können nicht mehr verlieren als Sie investiert haben. Schulden sind nur möglich, wenn Sie mit Hebelprodukten (CFDs, Optionen) oder auf Kredit (Margin) handeln. Davon sollten Anfänger unbedingt die Finger lassen.

Was ist der Unterschied zwischen Aktien und ETFs?

Eine Aktie ist ein Anteil an einem einzelnen Unternehmen. Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Fonds, der viele Aktien bündelt und als ein einziges Wertpapier an der Börse gehandelt wird. Ein MSCI-World-ETF enthält z. B. über 1.500 Aktien. ETFs bieten damit automatische Diversifikation – wenn eine Aktie fällt, können andere den Verlust ausgleichen.

Wie lange sollte man Aktien halten?

Je länger, desto besser. Historisch hat ein breit gestreuter Aktienindex bei einem Anlagehorizont von 15 Jahren oder mehr noch nie Verluste produziert. Die meisten erfolgreichen Investoren – von Warren Buffett bis André Kostolany – setzen auf langfristiges Halten (Buy and Hold). Daytrading und häufiges Umschichten kosten dagegen Gebühren und Steuern.

Was passiert mit meinen Aktien, wenn der Broker pleitegeht?

Ihre Aktien und ETFs gehören Ihnen – nicht dem Broker. Sie werden als Sondervermögen verwahrt und sind im Insolvenzfall des Brokers geschützt. Das Geld auf dem Verrechnungskonto ist durch die deutsche Einlagensicherung bis 100.000 € abgesichert. Im Ernstfall werden Ihre Wertpapiere einfach zu einem anderen Broker übertragen.

Einzelaktien oder ETFs – was ist besser für Anfänger?

Für die meisten Anfänger ist ein breit gestreuter ETF (z. B. auf den MSCI World) die bessere Wahl. Einzelaktien erfordern deutlich mehr Recherche, Zeitaufwand und Wissen. Ein ETF bietet sofortige Diversifikation, niedrige Kosten und ist weniger emotional belastend. Wer sich zusätzlich für einzelne Unternehmen begeistert, kann Einzelaktien als Beimischung nutzen – maximal 10–20 % des Portfolios.

Was ist eine Dividende und wann bekommt man sie?

Eine Dividende ist eine Gewinnausschüttung des Unternehmens an seine Aktionäre. Deutsche Unternehmen zahlen in der Regel einmal pro Jahr (meist im Frühjahr nach der Hauptversammlung), US-Unternehmen oft vierteljährlich. Nicht jedes Unternehmen zahlt Dividenden – viele wachstumsstarke Firmen reinvestieren ihre Gewinne. Um eine Dividende zu erhalten, müssen Sie die Aktie am sogenannten „Ex-Tag" besitzen.

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